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01. November 2026 · von Sewy & Linus

Ich übe, aber warum werde ich nicht besser?

Ich übe, aber warum werde ich nicht besser?

Oft wird mehr gespielt als geübt. Das sind die häufigsten Gründe, warum der Fortschritt ausbleibt, und was du dagegen tun kannst.

Ich übe, aber warum werde ich nicht besser?

Diese Frage bekommen wir von unseren Schülern ständig gestellt. "Aber ich übe doch jeden Tag, und wir machen jetzt schon die dritte Woche mit demselben Thema rum. Warum geht es nicht schneller?" Wir fragen dann zurück: Was machst du denn, wenn du übst? In vielen Fällen stellt sich heraus, dass die Leute mehr spielen als üben. Und das ist ein echter Unterschied.

Kurz und schmerzlos: Üben heißt, Dinge anzupacken, die du noch nicht kannst. Dafür reichen oft 10 bis 15 Minuten am Tag, mit klarem Plan und etwas Geduld. Spielen macht Spaß, ist aber kein Üben. Und vergleichen darfst du dich nur mit dir selbst von gestern.

Üben ist nicht Spielen

Beim Üben führst du Dinge aus, die du nicht kannst. Wenn jemand an deinem Proberaum vorbeiläuft und sich denkt, oh Gott, ist der schlecht, dann übst du. Du denkst dir dabei: Hoffentlich hat das gerade keiner gehört. Wenn du dagegen drauflos spielst und dir denkst, schade, dass das niemand gehört hat, das wäre so cool gewesen, stehen die Chancen gut, dass du gerade gespielt hast.

Auch etwas zu wiederholen, was du schon kannst, ist nicht dasselbe wie Üben. Wir unterscheiden zwischen Üben, also Lernen, und Wiederholen. Zu einer guten Session gehört beides, aber ehrlich zu dir selbst solltest du schon sein.

Warum driften wir so schnell ins Spielen ab? Weil wir ein menschliches Bedürfnis nach einem guten Gefühl haben. Wer etwas nicht kann, fühlt sich nicht gut, das kratzt am Ego. Also spielst du etwas Geiles, das du schon kannst, und daraus wird eine riesige Session. Total nachvollziehbar. Du darfst dich damit nur nicht verzetteln. Sag dir: Stopp, ich gehe jetzt zu dem Thema zurück, das ich lernen will, und arbeite weiter daran.

Qualität schlägt Dauer

Eine gute Übesession erkennst du nicht daran, dass sie lange dauert. Wenn du drei Stunden am Tag übst und nicht besser wirst, machst du etwas falsch. Zehn, fünfzehn oder zwanzig Minuten, in denen du wirklich übst, bringen dich weiter als vier Stunden Drauflosspielen.

Der Grund heißt Zinseffekt, englisch Compound Effect. Der kommt aus der Finanzwelt: Wenn du jeden Monat ein bisschen Geld sparst und das sehr lange durchziehst, hast du am Ende einen Haufen Geld. Beim Lernen ist es genauso. Wenn du jeden Tag kleine Häppchen gewissenhaft machst, summiert sich das. Wenn uns ein Schüler sagt, er hatte keine Zeit zum Üben, lassen wir das nicht gelten. Fünf Minuten hat jeder, und fünf Minuten fokussiert jeden Tag sind unendlich viel besser als einmal die Woche zwei Stunden.

Das hat auch mit unserem Nervensystem zu tun. Soweit wir wissen, lernen wir im Schlaf. Du übst eine kleine Session, schläfst darüber, übst am nächsten Tag wieder und schläfst wieder darüber. Diese Regenerationsphasen brauchst du beim Muskelaufbau, und beim Lernen genauso. Viele glauben, viel hilft viel, und machen einmal in der Woche zwei Stunden. Davon sind fünf Minuten Üben, der Rest ist Dödeln. Dann kommen sie in den Unterricht und es klappt irgendwie nicht.

Unsere Empfehlung: jeden Tag 10 bis 15 Minuten. Das reicht dicke. Du führst eine Bewegung konzentriert und langsam aus, denkst nicht groß darüber nach und wiederholst sie am nächsten Tag wieder.

Übe mit Plan

Ohne Plan zu üben ist wie Einkaufen mit Hunger: Du kaufst nur Mist. Wer ohne Ziel in den Proberaum geht und sich fragt, was er jetzt eigentlich machen soll, kommt garantiert beim Dödeln heraus.

Es gibt zwei Wege. Entweder ein Lehrer gibt dir vor, woran es gerade Sinn macht zu arbeiten. Oder du machst es allein und schreibst dir auf, woran du arbeiten willst, wenn du dich ans Schlagzeug setzt. Zumindest im Kopf solltest du es haben. Dafür brauchst du keinen minutiösen Plan für eine halbe Stunde, ein Ziel reicht. Zum Beispiel: Ich will mein Timing verbessern. Und wie? Zum Beispiel mit dem Metronom. Das ist total unromantisch, aber unglaublich wertvoll.

Teil dein Thema in kleine Häppchen. Wenn du einen Song lernst, schau, was du schon kannst und was nicht, und fokussier dich auf das, was nicht klappt. Bei einer schweren Stelle über acht Takte fängst du mit dem ersten Takt an, dann kommt der zweite, und alles schön langsam.

Wenn du dir dafür einen Fahrplan wünschst, findest du ihn in unseren Kursen.

So baust du eine Übesession auf

Gerade wenn du nur eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde hast, hilft eine feste Struktur:

  1. Wiederholen. Du startest mit etwas, das du schon kannst, zum Beispiel dem Thema der letzten Stunde, um es zu festigen und warm zu werden.
  2. Damit spielen. Du nimmst das Gelernte und versuchst, damit zu improvisieren. Nur wenn du etwas improvisieren kannst, hast du es wirklich im Kopf, das ist zumindest unsere Ansicht.
  3. Neues lernen. Jetzt kommt das Hauptthema: etwas, das du nicht kannst. Das ist harte Arbeit und kann frustrierend sein, aber genau hier findet der Fortschritt statt.
  4. Mit Spaß abschließen. Such dir zum Schluss einen Song raus, den du kannst und der dir Spaß macht, und spiel ihn durch. Du gehst mit einem guten Gefühl aus der Session und hast Lust, beim nächsten Mal wiederzukommen.

Der vierte Punkt ist wichtiger, als er klingt. Wenn eine Übung nicht klappt, denkt man schnell, man sei der schlechteste Schlagzeuger überhaupt und alle anderen seien viel besser. Ein Song, den du kannst, holt dich da wieder raus.

Lernen merkst du nicht

Einer der wichtigsten Punkte ist die Selbstwahrnehmung. Du kannst Lernen nicht erfahren, so wie du etwas siehst oder hörst. Fortschritt merkst du höchstens im Rückblick, nie in dem Moment, in dem er passiert. Viele sind deshalb frustriert, weil sie schneller Ergebnisse wollen. Wer versteht, wie Lernen funktioniert, ist geduldiger mit sich selbst und kann es verkraften, nach Hause zu gehen, darüber zu schlafen und am nächsten Tag weiterzumachen.

Es dauert einfach seine Zeit, bis sich Körper und Geist auf etwas einstellen. Manchmal braucht eine neue Figur ein halbes Jahr oder länger, bis sie plötzlich da ist. Wir sagen unseren Schülern: Wenn du einen Baum ohne Ende gießt, wächst er auch nicht schneller. Wir lernen so schnell, wie wir lernen, und entwickeln uns so schnell, wie wir uns entwickeln, auch bei der Motorik. Viele machen sich falsche Vorstellungen davon, wie schnell das gehen muss.

Das hören wir auch von Eltern: "Wir machen jetzt schon seit einem Monat an diesem Song rum." Aber der Song ist schwer, und dann nehmen wir uns lieber die Zeit, ihn auseinanderzunehmen und Schritt für Schritt zu gehen. Wenn wir ihn durchjagen, hat niemand Spaß, weder wir als Lehrer noch der Schüler, der überfordert ist und unter Druck steht.

Unser Tipp: Denk nicht ständig ans Resultat. Genieß den Weg. Ich habe heute geübt, cool, und wenn ich so weitermache, wird es in Wochen und Monaten gut. Mit diesem Grundvertrauen macht Üben mehr Spaß. Die Floskel "Der Weg ist das Ziel" ist abgedroschen, trifft hier aber zu. Das Lernen hört nie auf, es gibt immer etwas Neues. Und wenn du stolz auf etwas bist, schaust du auf deinen Weg: Das habe ich in zehn Jahren geschafft, das in zwanzig. Selten feiert man das Resultat. Es macht richtig Laune, sich etwas aufzubauen, Zeit vergehen zu lassen und die eigene Entwicklung zu betrachten.

Nimm dich auf

Weil du Fortschritt in dem Moment nicht spürst, hol ihn dir schwarz auf weiß. Mit dem Handy ist das ganz einfach: Nimm dich beim Spielen kurz auf, bei jeder Session oder einmal pro Woche, regelmäßig im gleichen Abstand. Später hörst du dir alte Aufnahmen an und siehst, wie weit du gekommen bist. Das motiviert unglaublich, und das kann dein Kopf allein nicht leisten. Als Lehrer können wir dir hundertmal sagen, dass du besser wirst. Wenn du es selbst nicht siehst, glaubst du es nicht.

Vergleich dich nicht mit anderen

Du weißt gar nicht, was die anderen gemacht haben. Jeder hat seine eigene Lebensgeschichte, und Musik ist Kunst. Dort gibt es genauso wenig Richtig oder Falsch wie Gut oder Schlecht, und es gibt auch nicht den einen richtigen Weg. Es gibt nur einen Vergleich, der zählt: Bin ich heute besser als gestern?

Gerade bei Social Media ist das schwer. Dort siehst du den ganzen Tag Leute, die nach fünf Stunden Aufnehmen die drei besten Minuten posten. Wenn du bei Instagram jemanden siehst, der gerade voll abgeliefert hat, sind das 30 Sekunden. Du weißt nicht, wie oft er das aufgenommen hat. Vielleicht sitzt er seit drei Tagen an derselben Sache und hatte einmal einen guten Tag. Außerdem wird vieles bearbeitet und editiert, wie die Filter bei Instagram. Du hast deinen eigenen Weg, und der ist ganz besonders.

Unterm Strich

Es gibt einen Unterschied zwischen Üben und Spielen. Wenn du regelmäßig und richtig übst und nicht dödelst, ist der Fortschritt quasi unvermeidbar. Du wirst vielleicht nicht der geilste Drummer der Welt, aber du wirst besser, und darum geht es. Also: nicht mit anderen vergleichen, Spaß haben, ein paar Nächte darüber schlafen und wiederholen. Und hör am Ende der Session immer mit etwas auf, das dir Spaß macht. Konkrete Übetipps haben wir in dieser Folge noch nicht ausgepackt, wir haben die wichtigsten Gründe genannt, warum die meisten das Gefühl haben, nicht weiterzukommen.

Das ganze Gespräch dazu hörst du in unserer Podcast-Folge Ich übe, aber warum werde ich nicht besser?.

Du weißt noch nicht, wo du einsteigen sollst?

Egal worum es in diesem Artikel ging, wichtiger ist sowieso die Frage, wo du gerade stehst und was als Nächstes für dich dran ist. Wenn du dich fürs Schlagzeugspielen interessierst, aber noch nicht so richtig weißt, wo du überhaupt anfangen sollst, dann schau dir gerne unseren kostenlosen Kompass an. Nach ein paar kurzen Fragen sagt er dir genau, wo deine Reise am Schlagzeug beginnt, und falls du schon etwas fortgeschritten bist, wie du zum nächsten Level kommst.

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Vorschaubild: Video zu Ich übe, aber warum werde ich nicht besser?

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