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14. Oktober 2026 · von Sewy & Linus

Was macht einen guten Schlagzeuger aus?

Was macht einen guten Schlagzeuger aus?

Gute Schlagzeuger passen menschlich zur Band, halten den Takt und spielen songdienlich. Das sind die wichtigsten Punkte aus unserem Podcast.

Die Frage lässt sich auf ziemlich vielen Ebenen beantworten. Wir haben unsere Listen verglichen und sogar unsere Bandkollegen gefragt. Spoiler: Wer jede neue Technik sofort in jeden Song packen will, liegt eher falsch.

Kurz und schmerzlos: Ein guter Schlagzeuger passt menschlich zur Band, hält den Takt sicher und spielt so, dass der Song davon profitiert. Das Letzte steht bei uns ganz oben. Alles andere kommt obendrauf.

Zuerst kommt die Persönlichkeit

Du sitzt selten allein im Keller. Meistens spielst du mit anderen, und die merken an dir am allermeisten, ob es menschlich passt. Als wir unsere beiden Bandkollegen gefragt haben, was einen guten Schlagzeuger ausmacht, kam von beiden dieselbe Antwort: Er muss zu uns passen. Wer verträglich, kompromissbereit und ein Teamplayer ist, bekommt den Job einfach öfter. Wenn du mit Musik Geld verdienen willst, hilft ein netter Umgang mehr, als man denkt. Bei der Frage, wie man seinen Schlagzeuger gefunden hat, heißt es nämlich ziemlich oft: Er war sympathisch und hat gut zu uns gepasst.

Du bist der Kapitän auf dem Schiff

Auf der Bühne sitzen wir hinten und halten das Ganze zusammen, damit vorne alle ihr Programm abspielen können. Setzt der Sänger aus, singt das Publikum weiter. Setzt der Gitarrist aus, wird es kurz dünn. Setzt der Drummer aus, ist vorbei. Dann dreht sich die ganze Bühne um und fragt, was los ist. Mit großer Macht kommt eben große Verantwortung.

Wer das Schiff fährt, muss Tempo und Groove halten und das mit Überzeugung rüberbringen. Beide Bandkollegen haben unabhängig voneinander gesagt, dass Takt halten für sie musikalisch der wichtigste Punkt ist.

Songdienlich spielen steht ganz oben

Takt halten ist super wichtig, aber eine Ebene darüber liegt die Musikalität. Die Frage ist immer: Dient das, was ich spiele, dem Song, oder zerstört es ihn? Die Gefahr ist besonders groß, wenn man gerade etwas Neues gelernt hat und es unbedingt ausprobieren will. Den Double-Bass-Lauf, den man gestern gelernt hat, auf Biegen und Brechen in den Song zu quetschen, ist keine gute Idee. Bandkollegen spielen lieber mit Schlagzeugern, die es nicht übertreiben und sich zurücknehmen können.

Wir gehen da gern nach dem Motto weniger ist mehr, je nach Genre natürlich. Erst das Fundament bauen, dann schauen, was der Song noch braucht. In der überwiegenden Mehrheit der westlichen Musik sind das Bassdrum und Snare. Die beiden müssen sitzen, alles drumherum ist meistens Verzierung.

Und wer songdienlich spielen will, muss zuhören können. Das klappt nur, wenn deine eigenen Sachen so gut sitzen, dass du den Kopf frei hast, um auf die anderen zu reagieren.

Musikalität wächst mit Erfahrung

Musikalität entsteht aus Erfahrung, und die kommt vom Musikmachen, am besten mit anderen und idealerweise mit mehreren Instrumenten. Ein Blick über den Tellerrand hilft enorm. Einer von uns kommt von der Gitarre. Als Gitarrist kann man sich auf den Schlagzeuger draufsetzen, also ein bisschen anlehnen. Nach dem Wechsel ans Schlagzeug hat er gemerkt, dass er sich dabei zu leicht von den anderen rausbringen lässt. Als Drummer musst du dein Ding durchziehen. Wer weiß, wie die anderen Instrumente funktionieren und was ihnen wichtig ist, hat es als Drummer leichter.

Für alle, die noch am Anfang stehen: Fokussier dich nicht mit Tunnelblick auf ein einziges Genre. Geh mit offenem Mindset ran und stell dich breit auf. Wenn jemand sagt “klingt wie Ringo, irgendwas Beatlesmäßiges”, solltest du zumindest eine Ahnung haben. Und wenn der Sänger mitten im Rocksong spontan Reggae will, weil die Leute im Sommer eh ausflippen, kommst du mit “Ich spiele eigentlich nur Rock” nicht weit.

Wenn du gerade erst anfängst und einen klaren Weg suchst, schau dir unseren Grundlagenkurs an.

Tempo, Metronom und Spielen zu Songs

Fang früh an, zu Musik und zum Metronom zu spielen. Moderne Pop und Rockmusik ist fast immer auf Klick aufgenommen. Wenn du zu Songs spielst, hast du also ein Metronom gratis eingebaut und sammelst nebenbei Erfahrung. Dabei ist es ganz normal, dass du den Schlagzeuger aus dem Song nicht mehr hörst, wenn dein Tempo stimmt. Dann sitzt du nämlich genau drauf. Das baut auch Selbstbewusstsein auf, denn bevor du andere mitziehen kannst, musst du selbst davon überzeugt sein, dass du Tempo halten kannst.

Dynamik, Sound und Ausstattung

Gute Schlagzeuger spielen dynamisch. Viele spielen alles auf 100 und wundern sich, warum es so zugemüllt klingt. Ein gutes Beispiel ist der Rosanna Groove: Da passiert unfassbar viel, aber das meiste ist leise gehalten und läuft im Hintergrund, deshalb fällt es kaum auf. An den richtigen Stellen traust du dich nach vorn, und danach nimmst du dich wieder zurück. Das gilt auch über das ganze Lied hinweg, denn Songs haben laute und leise Teile.

Dazu kommt die Ausstattung. Wer mit 30 Euro Becken zum Gig kommt, bei dem hat jeder das Gefühl, ihm werden die Zähne gezogen. Und du musst dein Zeug kennen: Wie stimmst du, wie klingt es, wie gehst du mit deinen Becken und Trommeln um. Ein sehr bedeutender deutscher Schlagzeuger hat uns mal erzählt, dass er sein Set immer an den Raum angepasst stimmt. Du musst wissen, wo du bist.

Noten lesen: kein Muss, aber ein dickes Plus

Nötig ist es nicht, aber es hilft. Du schreibst dir einmal auf, was du zur nächsten Probe brauchst, statt alles auswendig zu lernen. Es gab auch schon Fälle, in denen ein Drummer ausgefallen ist, jemand ins Flugzeug gesetzt wurde und in 48 Stunden zehn bis zwölf Songs lernen musste. Das schafft man vermutlich nicht, indem man alles mühsam raushört, da lagen wohl Noten vor.

Ein bisschen Technik schadet ebenfalls nicht. Wer mit Band spielt, muss manchmal Klick und Backing Tracks am Laptop programmieren und abfeuern, und das regelt auf der Bühne oft der Drummer.

Was die Fachwelt sagt

Der Rolling Stone hat eine Liste der 100 größten Schlagzeuger. Auf Platz 1 steht John Bonham von Led Zeppelin, auf Platz 3 Ginger Baker von Cream. Was solche Leute vereint: Sie haben Songs ihren Charakter gegeben und trotzdem songdienlich gespielt. Die Liste stammt von Musikredakteuren und ist epochenmäßig ein bisschen einseitig, aber interessant.

Unterm Strich

Vieles davon gilt für alle Musiker, vor allem, dass jeder sein Instrument gut beherrschen sollte. Bei uns Schlagzeugern kommt noch das Timing dazu. Wir sind das Fundament der Band, und wenn wir weg sind, bleibt nur noch Singer Songwriter.

Das ganze Gespräch dazu hörst du in unserer Podcast-Folge Was macht gute Schlagzeuger aus?.

Du weißt noch nicht, wo du einsteigen sollst?

Egal worum es in diesem Artikel ging, wichtiger ist sowieso die Frage, wo du gerade stehst und was als Nächstes für dich dran ist. Wenn du dich fürs Schlagzeugspielen interessierst, aber noch nicht so richtig weißt, wo du überhaupt anfangen sollst, dann schau dir gerne unseren kostenlosen Kompass an. Nach ein paar kurzen Fragen sagt er dir genau, wo deine Reise am Schlagzeug beginnt, und falls du schon etwas fortgeschritten bist, wie du zum nächsten Level kommst.

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